Unterwegs mit Bine

Rice is Life – oder in 14 Schritten zum Reis auf dem Teller (Laos)

Reis ist Leben – das trifft insbesondere auf die asiatischen Länder zu, in denen es Reis zu jeder Mahlzeit gibt. Auf dem Land bauen die Familien auf ihren Feldern oftmals Reis für den Eigenbedarf an und sichern somit ihre Ernährung und ihr Überleben.

Da man auf Reisen in Südostasien überall die Nassreis-Felder sieht, waren Jara und ich sehr begeistert, als wir die Chance hatten auf der „Living Land Farm“ außerhalb von Luang Prabang mehr über den Reisanbau zu lernen. Das beste war, dass wir nicht nur zusehen durften, sondern selbst Hand angelegt haben.  An einem Vormittag hat uns Laut, der das Projekt ins Leben gerufen hat, durch die 14 Schritte des Reisanbaus begleitet. Und ich möchte euch jetzt auch mitnehmen zu einem Ausflug auf die Reisfelder. Los geht’s!

IMG_0202

 

1. Schritt: Auswahl des Saatgutes

Von der Ernte des Vorjahres werden Reiskörner zur Aussaat zurückbehalten. Nun geht es darum herauszufinden, welche Körner die besten Pflanzen hervorbringen und ausgesät werden. Dazu nutzt man Salzwasser, das so salzig ist, dass ein rohes Ei drin schwimmt. Nachdem man dies getestet hat, kommen die Reiskörner in das Salzwasser. Alle Körner, die oben schwimmen, werden aussortiert, weil sie zu leicht sind. Alle Körner, die auf den Boden des Gefäßes sinken, werden zum Anbau verwendet.

IMG_0201

Laut mit dem wichtigen rohen Ei

IMG_0199 IMG_0398

 

2. Schritt: Aussaat und Ziehen der Reispflanzen

In einem kleineren Beet werden die Reiskörner einfach mit einem schwungvollen Wurf verteilt und dann wird auf die Keimung gewartet. Dabei werden die Pflanzen immer mal wieder umgepflanzt, wenn sie mehr Platz brauchen. Sobald sie eine Länge von ca. 10 cm erreicht haben, sind sie bereit für das Setzen auf dem eigentlichen Reisfeld.

IMG_0403

Reispflanzen in verschiedenen Größen im „Reis-Kindergarten“ :)

 

3. Schritt: Pflügen und Vorbereitung des Reisfelds 

Aber zunächst muss der Acker bzw. das Nassreis-Anbaubecken (ach Deutsch ist so eine schöne Sprache) vorbereitet werden. Auf der Living Land Farm wird dies noch traditionell mit Wasserbüffeln getan. Unser Büffel, der aussah wie ein zu groß geratenes Schwein, hieß Rudolph und hat seine Arbeit hervorragend verrichtet. Das Pflügen per Hand ist richtige Kraftarbeit für Mensch und Tier – deshalb wird die Arbeit mittlerweile oftmals mit Maschinen gemacht. Die weiteren Büffel der Farm haben übrigens so wundervolle Namen wie Suzuki und Buffalo Bill.

IMG_0210 IMG_0220

 

4. Schritt: Pflanzen der Setzlinge

Diese Arbeit macht man am besten in der Gruppe. Dadurch wird ein gleichmäßiges Pflanzen der Setzlinge in graden Reihen leichter und außerdem kann man dann noch gemeinsam ein Lied anstimmen und die Arbeit geht leichter von der Hand, wie ihr im Video sehen könnt.

IMG_0420

 

5. Schritt: Kontrolle des Pflanzenwachstums (Unkrautjäten, Wasserstandskontrolle etc.)

Wie bei jeder Art von Landwirtschaft muss man sich auch während des Wachstums um die Pflanzen kümmern. Wichtig für die Reispflanzen ist, dass sie nicht zu hoch unter Wasser stehen oder zu wenig Wasser haben, der Wasserstand der Felder muss also regelmäßig kontrolliert werden.

IMG_0237

 

6. Schritt: Ernte

Mit einer Sichel werden die Reispflanzen bündelweise abgeschnitten und mit einem der Reisstengel zusammengebunden.

IMG_0241 IMG_0252

 

7. Schritt: Dreschen

Auch hier ist wieder Muskelkraft gefragt. Die Reispflanzen werden in eine Schnur zwischen zwei Stöcke eingeklemmt und dann wird damit so lange auf ein Brett eingedroschen, bis alle Reiskörner draußen sind. Macht tierisch Spaß, aber wenn man die ganze Ernte per Hand dreschen muss, wird es doch zur Knochenarbeit – deshalb gibt es auch hierfür motorisierte Alternativen.

IMG_0263

 

8. Schritt: Die Spreu vom Reiskorn trennen

Dafür ist Erfahrung nötig: Mit einem Fächer aus Bambus wird eine Art Wedel-Tanz aufgeführt, bei dem mit einem Fächer 8-förmige Bewegungen gemacht werden, um die leichtere Spreu vom schwereren Reiskorn zu trennen. Sieht super aus, wenn man es kann =D

 

9. Schritt: Verpacken und Lagern

In Laos wird der Reis traditionell in geflochtenen Bambuskörben transportiert und gelagert. Nachdem der Reis mehrere Tage an der Sonne getrocknet wurde, wird er mit Hilfe der Bambushüte in die Transportkörbe geschippt – total schlau! Es gibt ja nach Region in Laos verschiedene Transportarten:

IMG_0461

1. Zwei Körbe an einer Holzlatte

IMG_0278

2. Korb auf dem Rücken wird mit einem Gurt an der Stirn getragen

IMG_0464

3. Eine Art Bambus-Rucksack

 IMG_0273

 

10. Schritt: Reis schälen

Auch dafür gibt es sicherlich Maschinen, wir haben aber die traditionelle Variante gewählt. Dabei wird mit einem Holzblock auf die Reiskörner eingeschlagen. Ich kann das ganz schlecht beschreiben, aber auf dem Video kommt es glaube ganz gut raus.

IMG_0472

 

11. Schritt: Sieben und dabei die Schale vom Korn trennen

Eine Frauenarbeit =D Deshalb durfte ich mich auch daran versuchen und es ist gar nicht so einfach und erfordert wahrscheinlich einige Stunden Übung, bis man wirklich nur noch die Reiskörner hat, wie das geht, seht ihr in den beiden Videos.

IMG_0487 IMG_0493

 

12.Schritt: Reis über Nacht in Wasser einweichen

In Laos wird fast nur „Sticky Rice“ gegessen. Eine besondere Reissorte, die einen höheren Anteil an Stärke enthält, was den Reis zusammenkleben lässt, wenn er zubereitet wird. Dieser Reis muss über Nacht in Wasser eingeweicht werden, damit er gekocht werden kann.

 

13. Schritt: Reis kochen

Der oben erwähnte Sticky Rice wird nicht in Wasser gekocht, sondern in einem Bambuskorb dampfgegart. Zwischendrin muss man den Reis im Korb „umdrehen“, damit er gleichmäßig gart.

IMG_0307

 

14. Schritt: Reis essen

Der schönste aller Schritte. Sticky Rice ist mein neuer Lieblingsreis und ich hoffe, dass ich ihn auch in Deutschland in irgendeinem Asia-Laden finde.

IMG_0508

IMG_0311

 

Während der Reis auf dem Feuer vor sich hin gedämpft hat, haben wir dann auch noch Reismehl gemahlen, was viel einfacher ging, als es das Foto vermuten lässt.

IMG_0297

 

Außerdem haben wir Zuckerrohr-Saft selbst gepresst – das hingegen war ganz schön anstrengend und man musste sich richtig in die Presse stemmen. Aber für den leckeren Saft hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

IMG_0521 IMG_0532

 

Laut versucht mit der Living Land Farm traditionelle Anbaumethoden und Handwerk aufrechtzuerhalten und weiterzugeben. So kommen ältere Männer auf die Farm, die noch die Kunst des Korb-Flechtens aus Bambus beherrschen und auch die Werkzeuge selbst in Stand halten. Außerdem kommen immer wieder Gruppen von Universitäten auf die Farm, um über den Reisanbau zu lernen und diesen weiterzuentwickeln.

IMG_0451

Beim Bambusflechten

IMG_0452

IMG_0548

Dem Feuer Dampf machen…

IMG_0541

… damit geschmiedet werden kann

Da Laut selbst nur wegen eines Stipendiums studieren konnte, unterstützt er mit Einnahmen aus der Farm Jugendliche aus dem Dorf, die damit zur Uni gehen können. Im Gegenzug geben diese Jugendliche Kindern im Dorf Englischunterricht. So ist aus einer Reisfarm ein richtiger Bildungszyklus entstanden, der hoffentlich weiter wächst! Laut macht da wirklich einen grandiosen Job und der Tag mit ihm war phantastisch!

Ich hoffe ihr habt Lust bekommen eine Portion Reis zu essen und wisst nun ein wenig mehr über die Körner auf eurem Teller.

 

IMG_0436

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *