Unterwegs mit Bine

Kampong Cham – Homestay (Kambodscha)

In der Nähe von Kampong Cham hatten wir die tolle Gelegenheit 2 Tage mit einer kambodschanisch-amerikanischen Familie zu verbringen. Der organisierte Homestay wurde uns von Nicole empfohlen, die wir in Phnom Penh kennengelernt hatten.

Wir waren in einer eigenen Bambus-Hütte untergebracht und zusammen mit uns waren noch zwei Frauen aus Frankreich auf dem Dorf zu Gast.

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Unsere Hütte

 

Die Kambodschanerin Kheang lebt mit ihrem amerikanischen Mann Don und zwei Kindern in ihrem Heimatdorf in der Nähe von Kampong Cham.  Leider habe ich kein Foto von der ganzen Familie gemacht, sondern nur von Kheang.

Zusammen mit Kheang haben wir zwei Ausflüge in das Dorf und die Umgebung unternommen: einmal zu Fuß und einmal mit dem Fahrrad. Dadurch, dass Kheang für uns übersetzen konnte, hatten wir die Möglichkeit ins Gespräch mit den Einwohnern zu kommen, die mindestens ebenso an uns interessiert waren, wie wir an ihnen.

Fast alle Familien leben von der Landwirtschaft und bauen auf kleinen Äckern Reis, Lotus, Erdnüsse, Bohnen und anderes für den Eigenbedarf an. Das Leben ist sehr einfach. Die meisten Häuser haben keinen Strom und kein fließend Wasser. Unter den Stelzenhäusern befinden sich die Küche, das „Wohnzimmer“ und der Stall – alles in einem und der Lebensmittelpunkt jeder Familie.

Was mich etwas erschreckt hat, war, dass in dem Dorf fast nur die Großeltern und die Enkelkinder leben und sich um das Überleben vor Ort kümmern. Die Elterngeneration ist fast komplett zum Arbeiten nach Thailand gegangen und schickt Geld. Dort arbeiten sie in den typischen Auswanderer-Branchen: Bau, Fabriken und als Haushaltshilfen. In den Jobs also, die schlecht bezahlt sind und welche die Einheimischen nicht machen wollen.

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Typische Stelzenhäuser auf dem Dorf

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Die Küche unter einem Stelzenhaus – natürlich wird mit Feuer gekocht

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Landschaft

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Ein Innenhof :)

Die alten Menschen sind vom Leben auf dem Land und von der vielen Arbeit gezeichnet. Die Mutter von Kheang ist 68 Jahre alt und hätte auch 20 Jahre älter sein können. Aber wie stark insbesondere die Frauen sind! Führen den Haushalt, arbeiten in der Landwirtschaft, erziehen ihre (Enkel)Kinder und halten alles zusammen.

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Kheang mit ihrer Mutter

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Eine der vielen Großmütter mit ihrem Enkelkind

Vor einigen Häusern gibt es kleine Verkaufsstände wo man die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, Zuckerrohrsaft oder Dinge für den täglichen Bedarf kaufen kann.  Ein hartes Leben und ganz anders wie das für die Touristen auf Hochglanz herausgeputzte Siem Reap oder die Hauptstadt Phnom Penh. Da der Großteil der Bevölkerung auf dem Land lebt, bin ich sehr dankbar, dass ich auch einen Einblick darin bekommen konnte und ein wenig aus der Backpacker-Touristen-Route ausbrechen konnte.

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In diesem Jahr hat es in der Regenzeit viel zu wenig geregnet, was für die Menschen auf dem Land ein echtes Problem ist. Schon jetzt ist zu wenig Wasser da, um ausreichend Reis anzubauen und die Wasservorräte zum Bewässern der Felder gehen bereits zum Beginn der Trockenzeit zu Neige. In unserer Wohlstandsgesellschaft in Deutschland ist wenig Regen auch nicht schön, aber für die Menschen in Entwicklungsländern ist es eine echte Katastrophe und  eine Überlebensfrage. In diesen Tagen der Klimakonferenz von Paris sollten wir uns die Wichtigkeit der getroffenen Entscheidung noch ein mal klar machen – vor allem für die Menschen in Entwicklungsländern!

Ein absolutes Highlight war das Essen von Kheang! Traditionelle kambodschanische Gerichte perfekt gekocht und soooo lecker. Es gab Fish Amok (ein frisches Curry mit Fisch), kambodschanische Pfannkuchen mit Hackfleisch gefüllt, eine Auberginen-Paste mit Reis und zum Frühstück Sticky Rice mit Kokosraspeln und frittierte Kleinigkeiten aus Tarobohnen und Reismehl. LECKER! Leider habe ich von den Gerichten keine Fotos gemacht, weil ich viel zu schnell anfangen musste zu essen. ;)

 

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Barbara war aufgrund ihrer Größe und der hellen Haut ein absolutes Highlight für die Dorfbewohner! „Du bist so schön! Du hast so helle Haut und bist so groß!“  In vielen Ländern Asiens ist helle Haut ein Schönheitsideal und Statussymbol. Wer helle Haut hat, muss nicht draußen auf dem Feld oder dem Bau arbeiten und steht gesellschaftlich besser da. Deshalb ist es auch sehr schwierig hier Gesichtscreme, Sonnencreme, Deo oder andere Pflegeprodukte ohne „Whitening-Effect“ zu kaufen. Fast überall ist Bleichmittel drin, um die Haut heller zu machen. Interessant wie unterschiedlich das Schönheitsideal doch ist! Wir wollen immer schön gebräunt sein und sehen dies als Statussymbol für Freizeit & Urlaub (=Geld und gesellschaftliche Stellung) an.

Hier noch einige Eindrücke von unserem Besuch auf dem Dorf:

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Erdnuss-Ernte

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Herstellung des Garns für den traditionellen kambodschanischen Schal „Kwarma“

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Barbara bei der Anbringung ihres Kwarmas ;)

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Morning Glory-Ernte

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Kheang in einem Lotus-Feld

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„Hello! Hello!“ schallte es von den Kinden aus jedem Haus, an dem wir vorbei sind

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